Geschichten, die das Leben schreibt - oder »Die Geschichte vom weißen Rammler«

Leicht ist das Leben nirgends. Auch in der Ukraine nicht, erst recht nicht in der aktuell so schwierigen Zeit. Und doch geht das Leben weiter. Der Acker wird bestellt, der Garten gehegt und gepflegt, das Vieh gehütet und gefüttert. Und trotz allen Widrigkeiten gibt es Anekdoten im Leben, die einen schmunzeln lassen und die man nicht so schnell vergisst. Und da möchte ich Euch heute eine kleine Geschichte erzählen, die mein Freund Peter in Smila eben erst miterleben durfte.

In seiner Nachbarschaft lebt eine alte Babuschka. Gut 80 Jahre ist sie alt, sehr gläubig und sie werkelt immer noch in ihrem Gärtchen herum. Ihr ganzer Stolz sind jedoch ihre Kaninchen. Das Prachtstück darunter ist ein großer, kräftiger, schneeweißer Rammler. Und da gibt es noch einen Nachbarn, das sind auch nette Leute, mit einem großen Hund, zu dessen Vorfahren auch Laikas zählen. Und dieser Hund ist schon ab und zu ausgebüchst und hat sich bei den Kaninchen der alten, gottvertrauenden Babuschka "bedient". Aber man ist ja ein guter Nachbar und bezahlt dann den entstandenen Schaden.

Gestern Abend beobachtete nun mein Freund Peter, wie der Hund mit einem großen, weißen Kaninchen im Maul nach Hause kam... Die Besitzer haben sich natürlich überhaupt nicht darüber gefreut. Und ein Blick zur Nachbarin reichte, um zu wissen, woher der Hund das Kaninchen hatte. Denn der Stall stand offen und war leer. So ein Prachtrammler hat auch in der Ukraine einen guten Preis! Und was haben sie gemacht? Sie haben den ziemlich verschmutzten Rammler - den größten Stolz der alten Babuschka - gewaschen, geföhnt, gestriegelt und klammheimlich wieder in seine Box getan.

Es kam der heutige Morgen. Das Malheur blieb nicht lange unentdeckt. Und mit Gezeter und tausend Bekreuzigungen rannte die arme Babuschka zu ihrem Nachbarn. Und sie erzählte ganz aufgelöst und so laut, dass auch mein Freund Peter es hörte: »Stellt Euch vor! Gestern ist mein schöner, weißer Rammler gestorben! Ich habe ihn in Ehren und würdig im Garten begraben. Und eben schaue ich in den Stall - und da liegt er, sogar gewaschen, geföhnt und gestriegelt...«


 

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