Wider die russischen Lügen!

Mit der Auslegung der Geschichte haben Russen so ihre Probleme. Erst neulich, als Putin in Frankreich zu Gast war, sorgte er für Gelächter und Unverständnis unter den Ukrainern, weil er doch tatsächlich die Jahrhunderte alten Verbindungen Russlands mit Frankreich bis hin zu Königin "Anna von Kiev" zurück datierte. Eine Zeit, in der es weder ein "Rossia", noch ein Moskau gab, die späteren Moskowiter also buchstäblich noch im Urwald hausten. Über Anna von Kiev kommt demnächst mal etwas mehr hier im Blog. Nein, Russen haben nicht nur Probleme mit der Geschichte, sie haben diese über Jahrhunderte bewusst gefälscht. Und leider haben sich auch im deutschen Gedankengut sehr viele Unwahrheiten festgesetzt und die Bereitschaft, diese zu revidieren, ist oft sehr gering.

Desto interessanter ist es, dass vor 100 Jahren schon Bücher über die Ukraine erschienen, die ein ganz anderes Bild auf die historischen Ereignisse werfen. Jetzt werden sicher einige behaupten, dass diese Werke am Anfang oder während des ersten Weltkrieges erschienen und Russland ja ein Gegner war, sozusagen als Gegenpropaganda zu sehen sind. Hier und da hört man auch die Geringschätzung des russischen Handelns heraus - nach allem, was ich aber schon aus anderen Quellen gelesen habe, ist das nicht zu Unrecht so.

Ich habe hier ein kleines Büchlein im PDF-Format für Euch, welches ich wärmstens empfehlen möchte. »Die Ukraine und ihre Bedeutung im gegenwärtigen Krieg mit Russland« von Dr. Wladimir Kuschnir, erschienen 1915 in Wien [Link zum Original auf diasporiana.org.ua]. Da es nur ca. 40 Seiten umfasst, habe ich die recht blassen und vergilbten Scans des Büchleins einzeln bearbeitet und in einem neuen PDF zusammengefasst. Da fehlen die leeren Seiten, die Werbung am Ende und auch die erwähnte Karte. Dieses PDF eignet sich nun aber sehr gut zum ausdrucken - ich lese doch lieber Gedrucktes als am Monitor und ich habe die Seiten auf A4-Format vergrößert, was die Lesbarkeit noch weiter erhöht. Man wird ja auch nicht jünger. [Link zu meiner bearbeiteten Version]

In geballter Form und sehr kurzweilig fasst Dr. Kuschnir das wesentliche zur Ukraine und der Beziehung zwischen ihr und Russland in der vergangenen Zeit zusammen. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Um diesen Beitrag etwas erfreulicher zu beenden, im Dokument gibt es eine interessante Fußnote auf Seite 12: Wien ist ja für seine Kaffeetradition bekannt. Und Lviv hat diese in der Zeit unter der k. u. k. Monarchie ebenfalls geerbt. Ich wusste ja, dass diese Tradition mit der Belagerung Wiens durch die Türken begann (zu deren Aufhebung und Sieg über die Türken ukrainische Kosaken maßgeblich beteiligt waren), als dem Dolmetscher Georg Franz Kolschitzky Säcke mit unbekannten Bohnen in die Hände fielen und der damit das erste Kaffeehaus gründete. Was ich nicht wusste - der Georg Franz, das war wohl gar ein Ukrainer? 


 

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