Mein erster Selbstgebrannter

Die ZutatenIn der Galerie des vorherigen Artikels habe ich es schon angedeutet. Mit den Aprikosen hatten wir noch etwas besonderes vor. Links seht Ihr die Zutaten.

  • Ein Eimer entkernte, sehr reife Aprikosen
  • 9kg Zucker
  • 1/2kg Hefe
  • dazu noch 35l lauwarmes Wasser

Die Menge reicht für 8-9l fertigen Samogon, man rechnet 1kg Zucker = 1l Selbstgebrannter. Daraus haben wir meinen ersten, eigenen Samogon gebrannt! Wie das funktioniert, möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten.

Der Ansatz

Der AnsatzIn einem 40l-Topf wurden alle Zutaten vermengt. Einen Tag später die erste Kontrolle. Die Maische gärt hervorragend, bei den jetzigen Temperaturen ist das auch kein Problem. Ja, es schäumte sogar leicht über. Abhilfe schafft ein Löffel Öl, das hält den Schaum in Grenzen. Auch vom Geruch her zeigt der Ansatz schon, wo es lang geht.


Die Maische

Die MaischeGenau eine Woche später ist es soweit. Die Maische ist fertig. Der Zeitpunkt muss genau abgepasst werden, sonst verdirbt der Ansatz. Geprüft wird mit der Streichholzprobe. Fertig ist die Maische, wenn man ein brennendes Streichholz direkt über die Maische hält. Wird dieses nicht mehr von den entweichenden Gärgasen ausgeblasen, kann der Brennvorgang beginnen.

Übrigens schmeckt diese Maische schon verdächtig gut, fast so wie diese modernen, leichten Alkopops. Wie mir meine Frau erzählte, können viele Russen das Brennen nicht abwarten und trinken dann sehr gerne diese Брага (sprich Bracha)!

Die Apparatur

Die ApparaturUnd das ist nun unsere kleine Brennerei aus Djeduschkas (Opas) Zeiten! Eine umfunktionierte Milchkanne plus eine Wanne mit durchlaufendem Kupferrohr, Gaze und Watte, sowie Gläser für den fertigen Samogon. Das ist alles.

 Die Maische wird in die Milchkanne gefüllt und erhitzt. Durch ein Loch im Deckel wird das Kupferrohr eingeführt und mit einfachem Mehlteig (Bild rechts) abgedichtet. In die Wanne kommt kaltes Wasser. An einem Streifen aus Gaze läuft dann das Destillat herunter und wird so einer ersten Reinigung unterzogen. Im Trichter ist noch einmal Gaze und Watte als Filter. So werden auch kleinste Teilchen von der Fruchtmaische zurück gehalten.

Der Brennvorgang

 Der Brennvorgang selbst dauert einige Stunden und muss immer wieder überprüft werden. Im Schnitt dauert die Erzeugung von 1l Samogon eine Stunde. Mit der Wärmezufuhr reguliert man den Brennvorgang und die Qualität. Zuviel Wärme ist nicht gut, das macht sich durch ein leises Klopfen im Rohr auch bemerkbar. Zu wenig Wärme unterbricht die Destillation, das ist auch nicht gut. Der fertige Samogon darf nicht nur tröpfeln, sondern sollte in einem stetigen, feinen Strahl aufgefangen werden, siehe rechtes Bild.

Ganz wichtig ist vor allem, das Wasser in der Wanne zu kontrollieren und regelmäßig durch Kaltes zu ersetzen. Modernere Anlagen haben dazu eine Durchflusseinheit für fließendes Wasser, aber für ein oder zweimal im Jahr geht es auch so. Weiterhin wird immer wieder geprüft, dass der Kessel dicht ist. Immer wieder muss mit dem Mehlteig ein Leck gestopft werden.

Langsam füllen sich also die Gläser und ich weiß nun, warum es in der Ukraine so viele „Litnja Kuchnja“ (Sommerküchen) gibt. Nicht nur, um für die Tiere Futter zu kochen, sondern eben auch dafür. Denn der Geruch im Haus ist seeeehr verdächtig…

Abschluss

Nach 7 Stunden waren wir fertig. Am Anfang kommt der Hochprozentige, dann der normale, zum Schluss der schwache Samogon. Übertreibt man es, kommt am Ende Alkohol heraus, der von schlechter Qualität ist oder sogar ungesund. Wie ich am Anfang schrieb, rechnet man mit einem Liter pro einem Kilo Zucker. Neun Kilo haben wir genommen und den Zucker, der in den Aprikosen enthalten ist, nicht berechnet. Deshalb begnügten wir uns mit 8 Litern und gehen keine Risiken ein. Der ganze Selbstgebrannte wird nun in einem 10l-Glas zusammengefügt und vermischt.

Abschließend die Gehaltsprobe. Ein voller Löffel wird angebrannt und man wartet, bis die Flamme erlischt. Der Alkohol verbrennt, zurück bleibt mehr oder weniger Wasser. Wenn man genau schaut, ist die Flamme auf dem Bild zu sehen. Da ein wenig mehr als die Hälfte verbrannt ist, meinte meine Frau, dass der Samogon so um die 46-48% hat. Und die erste Geschmacksprobe war einfach super. Ja, da sind wirklich mehr als 40% drin, aber auch nicht so viel, dass es in der Kehle brennt. Auch geschmacklich bin ich begeistert. Der Samogon hat eine schöne Aprikosennote. Leider kann ich hier keine Kostprobe bieten – oder zum Glück?


 

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