Spiegel-Redakteur Uwe Klußmann – ein Ahne Joseph Goebbels?

Die Situation in der Ukraine ist noch lange nicht beruhigt. Während man in Kiew weiterhin um die Gefallenen trauert und das Parlament ein beispielhaftes Arbeitstempo vorlegt, ist der aktuelle Krisenherd die Krim. Russische Hubschrauber überflogen ohne Genehmigung ukrainischen Luftraum, ein eindeutig kriegerischer Akt! Schwerbewaffnete besetzten das Rathaus in Simferopol sowie den Flughafen, ebenfalls in Sewastopol. Zumindest bei Sewastopol ist man sich ziemlich sicher, dass es sich um russische Soldaten handelt. Weiterhin lässt Putin unmittelbar an der Grenze zur Ukraine Manöver abhalten. Diplomatische Versuche, mit den Russen zu reden, scheiterten bisher. Auf gut Deutsch, niemand in Moskau geht ans Telefon.

Und trotz all dieser Provokationen, Übergangspräsident Olexandr Turtschynow hat soeben in einer Ansprache im Fernsehen zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen. Er wird nicht die Armee in Bewegung setzen und auf die plumpen Tricks des Klein-Napoleon in Moskau hereinfallen!

Und was passiert in den deutschen Medien? Die Tagesschau meldet „Berlin hält sich zur Ukraine zurück“, „Bloß kein Öl ins Feuer gießen“. Nun, da haben wir nichts anderes erwartet. Man kritisiert weiterhin die Oppositionsbewegung. Zitat des Gernot Erler, dem Osteuropa-Beauftragten der Bundesregierung:

Aber Erler erinnert auch an Vereinbarungen, auf die man weiterhin pochen könnte, nämlich dass in der Ukraine eine Regierung der nationalen Einheit entstehen solle. "Das würde ja Inklusivität bedeuten, also auch die Partei von Viktor Janukowitsch mit einbeziehen. Leider, das muss ich einräumen, ist im ersten Anlauf eine solche Einbindung auch anderer politischer Kräfte nicht vollzogen worden."

Ja, was soll sie denn machen? Herr Erler, haben Sie mal in die Werchowna Rada geschaut? Die meisten Parlamentarier der Partei der Regionen haben sich abgesetzt, sind außer Landes! Die wissen genau, was für Dreck sie am Stecken haben und was ihnen blüht. Soll man mit diesen korrupten Socken etwa zusammenarbeiten? Andere hatten mehr Rückgrat, haben die Fraktion verlassen, arbeiten jetzt weiterhin als fraktionslose Parlamentarier. Und es sind weiterhin Parlamentarier der Partei der Regionen auf ihrem Platz, weil der Appell an sie Wirkung zeigte, jetzt endlich etwas zu tun und das Land zu retten. Tut mir leid Herr Erler, ich kann Ihnen nicht ganz folgen.

Und nun kommen wir zum Spiegel! In dieser spannungsgeladenen Situation, in welcher die ukrainische, wie auch die Bundesregierung auf Mäßigung und Deeskalation bedacht sind, erschien heute dieser propagandistische Beitrag mit dem Titel „Krim-Krise: Nationalisten stiften Tataren zu Anschlägen an“. Zuerst fällt einem das Titelbild auf, es suggeriert Krimtataren beim Hitlergruß! Als Beweis für den Artikel gelten E-Mails zwischen dem Rechten Sektor und dem Vize der Krimtatarenbewegung. Diese sollen von russischen Hackern geknackt worden sein! Und das halten sie für eine vertrauenswürdige Quelle?! Selbst wenn das der Wahrheit entspräche, was folgt, ist ein durch und durch prorussisch geprägter und die Wahrheit verschleiender Artikel.

Herr Uwe Klußmann! Sie haben das geschrieben? Ich wiederhole es, man könnte der Meinung sein, Joseph Goebbels selbst hätte ihre Feder geführt. Beweise? Gerne. Sie schreiben: „Stalin ließ 183.000 Krimtataren nach der Rückeroberung der Krim nach Kasachstan deportieren. Tausende kamen dabei um.“ Was sind „Tausende“? Schauen Sie mal, was Ihre Kollegen von der Tagesschau dazu schreiben:

Stalin ließ die Krimtataren fast restlos nach Zentralasien deportieren. Schätzungsweise fast die Hälfte der ungefähr 200.000 Menschen starb im Zuge der Deportationen.

Sie schreiben weiterhin: „Die meisten Einwohner auf der Krim sind Russen.“ Nein, das ist falsch! Die Mehrheit der Einwohner sind russischstämmig, es sind heute Menschen mit ukrainischem Pass!

Gut lassen wir den Text, es kann sich jeder selbst überzeugen, was dieser Hassprediger schreibt. Aber ein paar Worte noch zu den Bildern. Man kann auf der Seite eine kleine Fotogalerie aufrufen. Ganz in Goebbels Tradition geht es da weiter:

  • Bild 1 zeigt Protestierende. Im Text ist es die muslimische Minderheit.
  • Bild 2 zeigt alte Männer bei einer Gedenkveranstaltung mit ausdrucksstarker Mimik, die man leider anders deuten kann.
  • Bild 3 ist dasselbe wie auf der Titelseite. Wieder die Wörter Ultranationalisten und Muslime im Text.
  • Bild 4 und 5 entstanden logischerweise vor und in einer Moschee.

Hier kommt wieder raffinierte Suggestion ins Spiel. Oh Gott! Das sind Muslime! Und wie die aussehen! Und das in der heutigen Zeit… Kein Wort wie bei der ARD, dass bei den Krimtataren der Islam nicht im Mittelpunkt steht, dass eine Radikalisierung wie im Kaukasus nicht stattfindet. Allen Grund hätten sie ja, geraten sie doch immer wieder in Konflikte mit „Russischen Kosaken“, die teilweise sogar paramilitärische Einheiten bilden.

Als abschließende Frage. Wie kommt Herr Klußmann dazu, so ein Pamphlet zu verbreiten? Tante Google hilft ganz schnell. Das steht im ersten Treffer:

Der deutsche Journalist und Buchautor Uwe Klußmann ist seit 1990 als Spiegel-Redakteur tätig. Zehn Jahre lang (1999 - 2009) war er Moskauer Spiegel-Korrespondent. Seine Schwerpunkte sind deutsche, russische und sowjetische Geschichte. In einem Interview erzählte Uwe Klußmann, dass er schon immer Journalist werden wollte, und dass Wladimir Putins Entscheidung, Russland weiter zu führen das allerwichtigste Geschehen des vergangenen Jahres für ihn war.

Weitere Fragen erübrigen sich jetzt. Ich habe alles gespeichert und werde mich erkundigen, wo ich diese Hetzpropaganda anprangern kann.


 

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