Wie der Willi zu seiner Oksana kam und nun unser Dorf auf den Kopf stellt

Wir schreiben den 1. April. Ich rufe meine Mails ab und bekomme folgende Nachricht über diesen Blog:

Hallo Milla und Jens!
Bin aus Thüringen, ein sympathischer, junggebliebener Kerl. Habe früher 1 Jahr in der Ukraine (Aleksandrowka) und 3 Jahre in Mozambique gelebt und gearbeitet. Möchte euch gerne kennenlernen. Bin handwerklich begabt, Kumpeltyp und unkompliziert. Mehr beim nächsten mal. Eure Mitteilungen über Land, Leute, Leben, Politik usw. ist mit das Beste, was ich bisher im Netz gelesen habe.
Euch alles gute, Willi

Solchen netten Mails antworte ich natürlich sofort. Und wie es so kommt, steht der Willi einen guten Monat später vor der Tür. Ach, wir verstehen uns auf Anhieb. Und da der Willi auch nicht die Hände in den Schoß legen kann, hilft er mir beim Umbau meiner typisch ukrainischen Dachrinne, das war mir schon lange ein Dorn im Auge. Obwohl, eigentlich war es dann doch umgekehrt. Das sind Arbeiten, da kommt ein gelernter Mann aus der GWS-Branche, ähm, ich meine Sanitärfachmann gerade recht.

Und das hat er ganz toll gemacht, da staunten sogar meine Hunde. Dann kam - nicht ganz zufällig - unsere Tierärztin zu Besuch. Im Gepäck eine reizende, junge, alleinstehende Mama einer süßen, sechsjährigen Tochter. Ach, was soll ich groß erzählen, Ihr ahnt es bereits. Um unseren Willi war es sofort geschehen - und auch Oksana war angetan und hatte nichts gegen ein näheres Kennenlernen. Und meine Hunde staunten noch mehr...

Am nächsten Tag schnappte er sich mein Fahrrad und fuhr ins nächste Dorf, die Oksana zu besuchen und die Tochter Irina kennenzulernen. Und beide hatten ja gerade so viel zu tun! Auf ihrem großen Grundstück hat sie Erdbeeren angepflanzt, ja, das ist schon eine kleine Plantage und es war ja gerade Saison. Sie baut diese ja nicht aus Spaß an, das Geld aus dem Verkauf ist ein ganz wichtiger Zuverdienst und muss eine Weile reichen. Da hatte sie natürlich nicht so viel Zeit. Aber der Willi hat gleich mit angepackt und sofort einen dicken Stein im Brett. Ja, solche Männer, unkompliziert, mit Humor und dem Herz am rechten Fleck - und die in Haus und Garten auch mit anpacken - das kommt gerade bei ukrainischen Frauen sehr gut an! Wir besuchten ebenfalls Oksana, lernten ihr Töchterchen kennen und Milla half auch gleich mit in den Erdbeeren. Das Bild kennen die Stammleser ja schon.

Willi lernte also die Ukraine von allen Seiten kennen. Den Sonnen- aber auch den Schattenseiten. Neben den Erdbeeren hatte Oksana ja auch noch zwei Jobs als Verkäuferin. Ich sage nur, 1-Eurojobber in Deutschland haben wesentlich mehr in der Tasche! Gut, dass es noch ihre Mutter gibt, die dann auch auf die Kleine aufpasst. In der Ukraine ist der (ungeschriebene) Generationenvertrag eine ganz wichtige Säule im Leben. Denn so eine alleinerziehende Frau hat es wirklich nicht einfach. Aber gerade Oksana erträgt ihr Los ohne Murren und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Das hat den Willi natürlich tief beeindruckt.

Der Urlaub ging vorbei, die zwei(einhalb) Herzen, die sich gefunden haben, wurden getrennt. Aber Willi zählte schon die Tage und im Juli kam er dann gleich für zwei Monate. Auch da packte er so richtig mit an in Haus und Hof, gönnte sich und den beiden Mädels aber auch ein bisschen Entspannung. Und das ist ja einfach, wenn man den Dnjepr direkt vor der Tür hat. Die kleine Irina nennt ihn nun schon „Batko“, Papa, und hat den Willi ganz toll lieb gewonnen. Ja, die Weichen waren nun gestellt und im Oktober wurde geheiratet. Jetzt sind noch einige bürokratische Hürden zu nehmen, damit der Willi dauerhaft in der Ukraine bleiben kann. Aber das schafft er schon. Wünschen wir den drei lieben Menschen doch alles Gute auf ihrem weiteren, gemeinsamen Weg, und aktuell dem Willi nächste Woche viel Erfolg auf der ukrainischen Botschaft in Berlin!

Wenn Ihr jetzt aber denkt, die Geschichte ist vorbei - weit gefehlt. Diese junge, glückliche Familie braucht ja auch ein ordentliches Dach über dem Kopf. Und man fand etwas passendes Grundstück dafür bei uns hier im Dorf. Und was da so die letzten Tage passierte, ist aktuell wohl Tagesgespräch auf den Lästerbänken vor den Häuschen in Cherwona Sloboda.

Und ich habe jetzt einen neuen Job als Willi's »Haus- und Hofberichterstatter«. Aber das Beste, er hat nichts dagegen, wenn ich diese mit Euch teile:

Das ist der erste Teil, aufgenommen am 15.11.2014. Erstmals besuche ich die junge Familie auf ihrem neuen Grundstück. Und da gibt es so viel Arbeit! Das schönste an Willi ist ja, dass er sehr schnell vergessen hat, dass die Kamera läuft und spricht, »wie ihm der Schnabel gewachsen ist«. Na, Spaß muss ja auch mal sein.

Es gibt jetzt auch schon einen zweiten Teil. Da habe ich dann mal meine einfachen Kenntnisse in Videobearbeitung ausprobiert und war so frei, eine kurze Videosequenz mit einem alten Lied aus den 70ern zu unterlegen. Dem „Presslufthammer-Bernhard“ von Torfrock, das passte da so schön. Dieses Video war wenige Minuten nach dem Upload auf Youtube in diversen Staaten, darunter natürlich Deutschland, nicht mehr verfügbar. Ich sage lieber nichts dazu, außer: F... Danke, GEMA!

Also, wer das Video links nicht sehen kann, bitte rechts auf den Button klicken. Das ist dasselbe Video, nur eben mit gemafreier Musik. Das Video entstand übrigens vorgestern. Viel Spaß!


 

Hinterlasse einen Kommentar