Das war der Sommer 2018 – ein Sommer, der in Erinnerung bleibt

Während in Westeuropa der Sommer 2018 ob seiner lang anhaltenden Hitzewelle und Trockenheit lange in Erinnerung bleiben wird, haben wir andere Anlässe, uns gerade an diesen immer wieder zu erinnern. Ja, auch in der Ukraine war der Sommer lang und heiß, wir hatten in der Zentralukraine aber glücklicherweise immer zur richtigen Zeit mal einen Regentag dazwischen. Aber nicht das schöne Wetter ist der Anlass, diesen Sommer nicht zu vergessen. Das möchte ich Euch nicht vorenthalten und hier nun ein Rückblick.

Dank des Regens war der Ertrag von Feld und Garten im Schnitt sehr gut. Die Obstbäume hingen voll, Kistenweise ernten wir gerade Äpfel und sammeln schöne große Walnüsse. Mit den Kirschen, Aprikosen und auch den Pfirsichen und Pflaumen hätte man ganze Fußballmannschaften ernähren können. Erdbeer-, Brombeer- und Himbeermarmelade werden uns einen süßen Winter bescheren, davon gibt es reichlich Gläser. Der langanhaltende Sommer hat die Erntezeit auf dem Acker im Allgemeinen etwas nach vorne geschoben und wir sind zufrieden, auch wenn Maiskolben und Rüben dieses Jahr etwas kleiner ausgefallen sind, denen hätte etwas mehr Regen gut getan. Die Kartoffelernte war normal, sehr gut und reichlich ernteten wir Kürbisse und sogar Melonen. Denen hat das heiße Wetter wiederum gut getan.

Auch unser Ferienhaus war gut belegt, erneut lernten wir tolle Menschen kennen und sie hatten – bis auf mehrere, ärgerliche Reifenpannen – einen sehr positiven Eindruck von der Ukraine mit nach Hause genommen. Liebe Grüße an dieser Stelle an Benedikt; Galina, Winfried und Charly; Frank und Niki, sowie die Angler Marcel, Ralf und Nick. War schön mit Euch und wir hoffen, wir sehen euch wieder?

Es gab jedoch auch erstmalig den Fall, dass ich Gäste lieber gehen als kommen sah. Und ich sag mal so: Dauernd belehrende Veganer und auch noch Cannabis-Konsumenten – bleibt lieber zu Hause! Ich habe auf Eure sektenartigen Bekehrungsversuche keinen Bock und Cannabis mag es auch in der Ukraine geben, aber nicht bei uns und so etwas kommt mir auch nicht ins Haus! Denn wenn man damit erwischt wird, lernt man die Ukraine ganz schnell von einer weniger schönen Seite kennen.

Eine nette Begegnung hatte ich im Epicenter, dem großen Baumarkt Tscherkassys. Am Einkaufswagenstand traf ich drei Menschen, die ukrainisch und deutsch sprachen. Da konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und grüßte auf Deutsch. Wie sich herausstellte, war es ein deutsch/ukrainisches Ehepaar mit einem ukrainischen Bekannten und die Frau übersetzte zwischen den beiden Männern, der für sie eine Datscha renovierte. Wir kamen ins Gespräch und sie staunten, als ich sagte, dass ich dauerhaft in die Ukraine gezogen bin. Als ich dann noch erwähnte, dass ich in Chervona Sloboda lebe, stieß die Frau ihren Mann an und sagte zu ihm „Du, das ist der, der den schönen Blog schreibt! Den liest Du doch!“ „Jeden Artikel habe ich gelesen.“ antwortete er. Ach, das ging runter wie Öl. Und ja, ich werde wieder mehr schreiben, versprochen! Und liebe Grüße ins Schwabenländle, vielleicht sieht man sich ja wieder einmal?

Ich versprach ja in der Überschrift, dass dieser Sommer auch bei uns lange in Erinnerung bleiben wird. Dabei fing er gaaaanz anders als gedacht an. Denn der Plan war: es sollte endlich mal ein ruhiger Sommer werden, mit weniger Stress und Arbeit. Wir wollten öfters baden gehen, auch mal einen Ausflug machen. Darum wanderten alle restlichen Enten in den Tiefkühler, die Kaninchen wurden sofort geschlachtet, als es Anzeichen dafür gab, dass die Chinaseuche bei uns umgeht. Wir zogen erfolgreich 30 Broiler groß, das war Ende Juni erledigt und unser Fleischvorrat ist bis zum Winter gedeckt. Jetzt haben wir nur noch die Hühner und zwei Schweine einer ukrainischen Landrasse. Heißen übrigens Putin und Lawrow und deren Tage sind gezählt…

Dann passierten zwei Dinge. Lange haben wir überlegt, was wir noch so machen können, um finanziell ein zweites Standbein zu haben. Und meine Frau liebäugelt schon die ganze Zeit mit einer Kuh. Домашнє молоко, also gute hausgemachte Milch ist nach wie vor gefragt, die Anbieter werden aber immer weniger. Vor allem aus Altersgründen geben immer mehr ihre Kuh ab. Mit Milch, Sahne, Quark und Käse lässt sich also immer noch via Selbstvermarktung gutes Geld verdienen. Dafür ist unser Grundstück aber eigentlich zu klein und der Stall müsste umgebaut werden.

Zum anderen möchte die Tochter meiner Frau gerne eine eigene Wohnung in Tscherkassy und wäre mit einem Verkauf unseres Hauses (wovon ein Anteil ihr gehört, zumindest auf dem Papier) einverstanden. Und um den später zu erwartenden Erbstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen, fingen wir an, uns eine Alternative zu suchen. Und wir haben sie gefunden. Drei Dörfer weiter sind Häuser und Grundstücke recht günstig zu haben – und ein Häuschen mit 25 Sotka (2500m²) Land hat es uns besonders angetan. Darum schlugen wir zu und sind seit Mitte Juli mit dem Ausbau unseres neuen Domizils beschäftigt, welches übrigens zu 100% mir gehört und auf meinen Namen eingetragen ist.

Da war die letzten drei Monate dann keine Rede mehr von Ausruhen und stressfreiem Sommer. Und es hat sich im Laufe der Zeit noch so einiges ereignet, was die Pläne etwas ändern wird, aber das ist alles noch nicht spruchreif – da komme ich später drauf zu sprechen. Jedenfalls werden wir unser Haus und Ferienhaus hier in Chervona Sloboda noch eine Weile haben und das Ferienhaus kann auch für den nächsten Sommer gebucht werden!

Für den Blog hier heißt das, dass ich einiges an Material habe, worüber ich schreiben kann. Ich habe den Umbau gut dokumentiert und bestimmt ist es für meine Leser interessant, den Ausbau zu begleiten und auch etwas über Kosten, sowie bauliche und handwerkliche Eigenheiten in der Ukraine zu erfahren. Eines kann ich vorweg nehmen. Es ist aktuell sehr schwer, gute Handwerker zu bekommen! Viele nutzen die Visafreiheit, fahren nach Polen und Tschechien und suchen sich dort Arbeit. Denn dort können sie in drei Monaten mehr verdienen, als hier im ganzen Jahr. Das hat aber auch gute Seiten, sie sehen endlich mal, was geht und kommen mit neu erworbenen Kenntnissen zurück. Wovon auch wir schon profitieren konnten.

Also, der Blog aus Chervona Sloboda ist (fast) tot. Es lebe der Blog aus Sahunivka.


 

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