„Birra incognita“ – Gibt es in der Ukraine wirklich trinkbares Bier?

So oder so ähnlich taucht immer wieder eine Fragestellung bei „Ukraine-Neulingen“ auf, nachdem ukrainische Bierexporte in die EU immer noch ein ziemliches Monopol der Obolongruppe sind – und dennoch Seltenheitswert haben. Dazu ein Gastbeitrag von dem in Kyiv lebenden Stefan Weisshappel, vielen Dank an dieser Stelle dafür!

Auf den Titel des Beitrages bezogen ein Resümee zu  Beginn: Wie mir gestandene Biersommeliers aus Deutschland und Österreich nach Feldversuchen am eigenen Gaumen bestätigt haben – durchaus!

Vorbei sind die Zeiten, als die sowjetindustriellen „Pivzavodi“ das Shiguli-Einheitslagerbier für das „sozialistische Proletariat“ zusammengebraut haben. Mit dem Entstehen einer kleinen, aber dennoch ausreichend mit finanziellen Mitteln ausgestatteten Mittelschicht gewann Qualität vor Quantität mehr und mehr Anhänger. Schon vor mehr als 25 Jahren eröffnete der erste Brewpub „Velyka Krucha“ an der Autobahn Kyiv-Poltava.

Aus der tschechischen technologischen Bruderhilfe wurde die Obolongruppe des Dynamo-Magnaten Surkis gegründet. Lokale Kombinate transformierten beispielsweise zu Chmelpivo, PoltavPivo oder Berdichivske. Daneben entstanden neue Mittelständler wie die PershaPrivatna-Gruppe eines Andriy Matsola (StareMisto, Radomyshl, Teteriv, Zakarpattske, etc).
Gastropubs und lokale Enthusiasten wie Lisopylka/Varvar in Kyiv, Bierwelle in Tschernihiv, Zezya in Odesa, Ungweiser in Uzhgorod oder der Brauhauptstadt Lviv mit der Brauerlebniswelt in der Kleparivska (Carlsberg).

Kleine und hoch innovative StartUps wie Underwood, Khotts (um Kyiv), HopRepublic (Brovary), ZZ/Zezya in Odesa, Gastros wie BrovarXof, 2085(Kyiv) und andere fühlen sich längst mit DoubleIPAs, extraordinären MilkStouts vertraut, die durchaus keinen internationalen Vergleich scheuen müssen.

Eigenen Hopfen gibt es übrigens gerade um Berdichiv oder Dubno zur Genüge, auch wenn aus Prestigegründen oft in Deutschland oder Tschechien eingekauft wird.

Nachdem Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, kann der Autor nur aus eigener Erfahrung dem geneigten Besucher eine kleine Auswahl von lokalen, sehr interessanten Einheitsbieralternativen aufzeigen (wobei sich die Qualität mit neuem Eigentümer und Braumeister durchaus auch zum Nachteil ändern kann…

Von West nach Ost:

Uzhgorod: Ungweiser
Lviv: Kumpel, PravdaBeerTeatr
Ivano-Frankovsk und Umgebung: Tsypa, Bartik, Copperhead, Panske
Lutsk: Zeman oder Lubartbeer
Ternopil: Opillya
Rivne: Kant/Rivne
Czernivtsi: Tertsiya, Panska Huralna
Chmelnitzky: ChmelPivo
Zhytomir: Schultz
Kyiv: Lisopylka/Varvar, Underwood, Prokhodymets, Khotts (Khotyanivka), 2085, HopRepublic, Shato, Solomensky (Andrivsk. Usviz)
Odesa ZZ/Zezya, Kachka
Tschernihiv: Bierwelle
Mykolaiv: Schultz
Dnipro: FirstDnipro
Zaporishja: Limbier, Kronsbeer
Charkiv: Tusovka, Probka

Schon etwas älter, trotzdem eine schöne und teils immer noch aktuelle Karte mit einer Übersicht der Biersorten findet man auf ukrainianweek.com.

Auch in der Werbung spielt Bier eine große Rolle neben Kopfschmerztabletten und Mittelchen gegen Hämorrhoiden. Amüsant ist dabei die Zibert-Werbung, die könnte genauso gut in deutschen Flimmerkisten laufen. Deren Slogan ist »Deutscher Geschmack, ukrainischer Preis« Hier zwei Beispiele:

 

Egal wie die Geschmäcker aber auch seien – seitens der Autoren wünschen wir jedem “Hoptimisten” ein herzliches “Budmo”! Hopfen und Malz sind in der Ukraine lange nicht mehr verloren!


 

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