Gedenken an die Deportation hunderttausender Ukrainer und die „Operation Weichsel“

Eine verlassene griechisch-katholische Kirche im entvölkerten Dorf Królik wołoski nahe Rymanów. Und wieder sehe ich während des Frühstücks eine Gedenkkerze in der Ecke auf jedem ukrainischen Sender. Woran wird denn heute gedacht, fragte ich mich? Ich musste nicht lange suchen. Vor 75 Jahren begann die Deportation einer halben Million Ukrainer aus ihrer Heimat, vor allem aus Lemkivshchyna, Nadsyannya, Kholmshchyna, Süd-Podlachien, Lyubachivschyna und West-Boykivschyna in andere Teile der damaligen Sowjetunion. In der  „Operation Weichsel“ (ОПЕРАЦІЯ «ВІСЛА») fand sie ihren Höhepunkt. Bisher habe ich wenig in deutscher Sprache darüber gefunden, selbst in dem recht kurzen Artikel der Wikipedia schreibt man:

Im Westen wurde die Deportation der Ukrainer innerhalb Polens im Jahre 1947 nur am Rande wahrgenommen, obwohl sie nicht im Geheimen durchgeführt wurde. Ein Niederschlag in der deutschen Historiographie fehlt sogar fast völlig, ebenso wie die vorangegangenen wechselseitigen Umsiedlungen zwischen Polen einerseits und Weißrussland bzw. der Ukraine andererseits von der deutschen Geschichtsschreibung kaum beachtet wurden.

Desto mehr haben es die Ukrainer selbst nicht vergessen!

Was war der Grund?

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs verschoben sich die Grenzen Polens in den Bereich, den wir heute kennen. Die Kommunisten strebten in den Ländern unter sowjetischem Einfluss eine ethnisch homogene Bevölkerung an, um ethnische Konflikte zu vermeiden. Den Kommunisten in Polen kam das sehr gelegen, jedoch auch in der normalen Bevölkerung gab es wenig Mitgefühl mit den Ukrainern, die seit Generationen in diesen Landesteilen lebten. Gerade im Südosten des heutigen Polens war selbst nach Kriegsende die UPA (Українська Повстанська Армія, Ukrainische Aufstandsarmee) noch sehr aktiv und von dem Wunsch getrieben, einen nichtkommunistischen, ukrainischen Nationalstaat zu errichten. Polnische sowie sowjetische Kommunisten waren somit ihre ärgsten Gegner. Da nun die Menschen ihre Heimat um keinen Preis verlassen wollten, wurde diese mit Gewalt durchgeführt. Auf polnischer Seite sah das in der Operation Weichsel dann laut Wikipedia so aus:

Die Durchführung der Aktion Weichsel begann am 28. April 1947 um vier Uhr morgens. Sie verlief immer nach dem gleichen Muster. Nachdem ein Dorf von der Polnischen Armee umstellt worden war, hatten die Bewohner wenige Stunden Zeit, um das Notwendigste zu packen. Anschließend wurden sie in bewachten Zügen deportiert. Personen, die in Verdacht geraten waren, mit dem ukrainischen Untergrund zu kooperieren (insbesondere Soldaten der Polnischen Heimatarmee, Kohlenarbeiter und Deutsche), wurden im ehemaligen Außenlager des KZ Auschwitz-Birkenau in Jaworzno inhaftiert. Annähernd 4.000 Personen, darunter auch Frauen und Kinder, wurden hier infolge der Aktion Weichsel untergebracht. Die UPA versuchte teilweise, die Transporte zu verhindern.

Die Aktion Weichsel dauerte genau drei Monate und war am 28. Juli 1947 beendet. Sie lässt sich in zwei Phasen unterteilen:

  1. Phase: Umsiedlung der ukrainischen Bewohner aus den Kreisen Sanok, Lesko, Przemyśl, Brzozów und Lubaczów.
  2. Phase: Umsiedlung der ukrainischen Bewohner aus den Kreisen Jarosław, weiter Lubaczów, Tomaszów Lubelski.

Einher mit den Zwangsumsiedlungen ging in diesen Gebieten der Kampf gegen die ukrainischen Aufständischen der UPA. Im Zuge der Aktion Weichsel wurden etwa 150.000 Ukrainer deportiert. Einziges Kriterium dabei war ihre Nationalität. Betroffen waren somit auch Ukrainer, die pro-kommunistisch waren oder als Soldaten der polnischen Volksarmee gedient hatten.

Nach dem Ende der Aktion Weichsel wurden verschiedene administrative Hürden geschaffen, um die Rückkehr der Ukrainer in ihre angestammten Siedlungsgebiete zu verhindern. In einem Dekret vom 27. September 1947 wurden die Ukrainer ihrer alten Besitztümer enteignet. Durch ein weiteres Dekret vom 28. August 1949 gingen die griechisch-katholischen Kirchen in staatlichen Besitz über.

Auch wir werden dieser kommunistischen Freveltat gedenken. Slava Ukraini!

Weiterführende Links:

Bild oben, Beschreibung und Quelle: Eine verlassene griechisch-katholische Kirche im entvölkerten Dorf Królik wołoski nahe Rymanów. 
APN-PL [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons


 

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