Lesetipp: »Ukraine – Fünf Jahre nach dem Maidan«

Dieser Tage feierte die ukrainisch-orthodoxe Kirche das erste Jahr ihrer Unabhängigkeit. Die Erlangung des »Tomos«, die Anerkennung einer landeseigenen, orthodoxen Kirche seitens der byzantinisch-orthodoxen Kirche war ein Steckenpferd des ehemaligen Präsidenten Poroschenko. Wie schaut es nach einem Jahr aus mit der Einigkeit? Das fragte ich mich selbst und bekam zur richtigen Zeit eine Anfrage, ob ich an der Besprechung eines neuen Heftes zu diesem Thema Interesse hätte.

Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, gibt im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit die Zeitschrift OST-WEST. Europäische Perspektiven (OWEP, www.owep.de) heraus. Die Zeitschrift erscheint seit dem Jahr 2000 viermal jährlich zu bestimmten Themenschwerpunkten. Das aktuelle Heft mit dem im Titel genannten Schwerpunkt bietet Analysen, Interviews und Reportagen zur politischen und vor allem kirchlichen Situation in der Ukraine. Das Heft liegt mir zur Rezension vor, ich habe es gelesen, hier meine Meinung:

Die Ukraine hat eine Vielzahl an christlichen Kirchen. Innerhalb der Orthodoxie schwelt aber ein großer Konflikt. Die byzantinisch-orthodoxe Kirche besteht aus Nationalkirchen, bilden aber eine Kirchengemeinschaft. Und hier gibt es für die Ukraine ein großes Problem. Die russisch-orthodoxe Kirche beansprucht das alleinige Recht für die Ukraine. Mit der Ausrufung des ersten unabhängigen Staates, der Ukrainischen Volksrepublik im Jahre 1918, entstand auch eine eigenständige, ukrainische Kirche und seit 1990 wird eine größere Selbständigkeit angestrebt. Bis zur Annexion der Krim im Jahre 2014 war das mal mehr, mal weniger Thema in der Öffentlichkeit. Es hat sich dann etabliert, dass die Ukrainisch Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats (UOK-KP) und des Moskauer Patriarchats (UOK-MP) nebeneinander existierten. Man sieht es in fast jedem Dorf, jedes Patriarchat hat da seine eigene Kirche.

Das wurde nach 2014 anders! Wie die Frolow-Leaks beweisen, spielte die UOK-MP, welche – anders als im Heft erwähnt – sehr wohl von der Russisch Orthodoxen Kirche (ROK) abhängt und dieser hörig ist, eine große Rolle bei den separatistischen Bestrebungen in der Ukraine. Man darf nicht vergessen, dass die heutige ROK 1945 gegründet und gehörig vom KGB infiltriert wurde, siehe Link am Ende des Textes! Es war und ist für die Selbsterhaltung des ukrainischen Staates immens wichtig, den Einfluss der russischen Kirche, welche eine große Unterstützerin der Kremlpolitik ist, zu unterbinden. Es gibt auch kaum eine Stimme unter den Patrioten im ukrainischen Volk, welche die Bemühungen Poroschenkos kritisieren, der Tomos ist auch zum Teil sein Verdienst, das streitet niemand ab. Wenn er sich mit derselben Intensität auch um andere Probleme gekümmert hätte, wäre die Wiederwahl vielleicht gelungen, das nur am Rande.

Das Heft der OWEP-Redaktion selbst spiegelt die Situation im Sommer dieses Jahres wieder. Und das ist dann wirklich eine sehr interessante Lektüre. Es kommen die Menschen zu Wort, es wird auf die schwierige Arbeit der Caritas eingegangen und auf die Probleme am Rande der Front im Osten. Wer sich für das Thema interessiert, findet hier eine gelungene Zusammenstellung zu den verschiedensten und aktuellen Problemen, wenn man die antiukrainische, zersetzende Arbeit der UOK-MP im Geiste des Kremls immer mit im Blickwinkel hat.

Link zum Heft (als eBook): https://www.owep.de/ausgabe/2019-4

Die Seite ist etwas verwirrend, ich finde den Link zum gedruckten Heft nicht? Die gedruckte Ausgabe kann man vermutlich nur über diesen Link bestellen.

Die Links zu den FrolowLeaks findet ihr in diesem Artikel.


 

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