Chumaks (Чумаки) – Die Händler in der Frühen Neuzeit

Handelsplätze am Schwarzen Meer gab es seit der Antike. Wie jedoch lief der Handel ins Landesinnere, über die Weiten der Steppe ab? Hier kommen die Chumaks ins Spiel, die in der Ukraine eine hoch angesehene Gilde von Transporteuren und Händlern bildeten und die selbst heute noch verehrt werden.

Die Chumaks waren Anfangs Salz- und Fischhändler zwischen den Salz produzierenden Gegenden in Galizien, Donezk, der Wolga-Region, dem Schwarzen / Asowschen Meer und dem Rest der Ukraine. Als Transportmittel dienten ihnen mit zwei Ochsen bespannte Karren. Die Ochsen entstammten oft einer robusten, bessarabische Rasse.

Den Handel mit Salz gab es schon seit der Antike, das Salz aus Galizien füllte schon den Kyiver Rus ihre Kassen und wurde weit über ihre Grenzen hinaus exportiert. Der Schutz der Handelswege war schon den Kyiver Rus und auch deren Nachfolgern ein wichtiges Anliegen. 
Die Gilde der Chumaks entstand zusammen mit den Kosaken, mit denen sie eng verbunden waren. Die ständige Bedrohung durch Angriffe tatarischer Truppen in den südlichen Steppen zwang die Chumaks, Waffen zu tragen. Die Transporte bestanden oft aus 100 oder mehr Ochsenkarren, angeführt von einem gewählten Ataman. Während der nächtlichen Stopps wurden die Wagen im Viereck zu einer Wagenburg aufgestellt, was den besten Schutz garantierte. Gerne überwinterten die Chumaks in den sicheren Kosakensiedlungen, die Saporoger Kosaken begleiteten oft die Chumaks und verteidigten sie vor den Tataren, besonders beim Überqueren des Dnipros.

Ihren Namen erhielten sie vermutlich aus der türkischen Sprache, wo das Wort »Chumak« so viel wie Streitkolben oder langer Stock bedeutet. Im Volksmund heißt es, das Wort stamme von „Pest“ (чума́), weil sie ihre Kleidung mit Teer beschmierten, um sich so vor der damals grassierenden Seuche zu schützen.

Von der Mitte des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts kontrollierten die Chumaks 50-60% des Salzhandels. Darüber hinaus entwickelten sie sich allgemein zu Transporteuren und Händlern von Massengütern. Sie spielten eine wichtige Rolle im ukrainischen Wirtschaftsleben und hatten eine große wirtschaftliche Bedeutung und was das Besondere war, die Tätigkeit zog sich durch alle soziale Schichten und war ein einzigartiges, nationales Phänomen. Nicht umsonst spielten die Chumaks in der ukrainischen Folklore eine große Rolle. Chumaks wurden beschrieben, besungen, gemalt. Taras Schewtschenko widmete sich ihnen, eine Auswahl von Gemälden seht ihr hier, sie stammen von Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski. Und es gibt eine Menge Tänze und Volkslieder über das Leben und die Abenteuer der Chumak.

Neben kleinen Chumaks, die ein oder zwei Ochsenpaare hatten, entstanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts große »Chumakbetriebe«, in denen Fuhrleute oder Söldner beschäftigt waren, in der Regel ehemals verarmte Chumaks. In den 1880er Jahren zählte man 200 000 Chumaks. Mit dem Aufkommen des Schienen- und Wasserverkehrs verschwanden die Chumaks mit ihren Ochsenknarren von der Bildfläche, bleiben den Ukrainern aber in guter Erinnerung und haben ihre Spuren hinterlassen. Der Handel mit Waren liegt den Ukrainern auch heute noch sozusagen im Blut und sichert vielen Familien ein kleines Einkommen.

Übrigens! Die Milchstraße am nächtlichen Himmel heißt in der Ukraine »Чумацький Шлях« (Chumakstraße). Die Legende sagt, dass die ersten Chumaks, die Salz von der Krim holten, ihren Weg mit Salz markierten, der aus Löchern in den Säcken fiel. Und der liebe Gott hat diesen Salzweg dann in den Himmel übernommen. So hatten die Chumaks eine Orientierung und fanden den Weg zum Salz und wieder nach Hause.

Interessante Videos

Auf Youtube fand ich diese beiden Lieder über Chumaks.

 

Auch in der heutigen Musikszene sind die Chumaks ein Thema, hier eine rockigere Version.

Einen traditionellen Tanz der Chumacks kann man sich hier ansehen

 


 

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