Sitten, Bräuche und Aberglaube in der Ukraine (1)

Letztes Jahr tauchte in einem Forum die Frage auf, was denn Unterschiede zwischen Deutschen und Ukrainern sind. Schnell kamen dann auch Beiträge über diverse Bräuche und Aberglauben, mit dem sich vor allem deutsche Männer in binationalen Beziehungen konfrontiert sehen. Der „Hit“ schlechthin ist, dass ukrainische Frauen ihren holden Gatten sehr schnell das Pfeifen in der Wohnung abgewöhnen, denn das scheucht das Geld aus dem Haus.

Ich habe meine Frau gefragt, sowie ein bisschen recherchiert, und dabei so einiges gefunden. Teilweise kann man darüber schmunzeln, das ein oder andere kommt einem auch in Deutschland bekannt vor, anderes sollte man auf alle Fälle beachten, wenn man in der Ukraine zu Gast ist und vor allem seine Braut oder sogar deren Eltern besucht. Den Anfang macht deshalb ein kleiner Knigge für Besucher:

  • Grundsätzlich werden bei Eintritt ins Haus die Schuhe ausgezogen. Man will die Gastfreundschaft ja nicht mit Straßendreck beschmutzen.
  • Nie über die Türschwelle hinweg sich die Hand geben, reden oder etwas reichen. Also entweder rein oder raus. Auch wenn der Briefträger kommt, wird diese Sitte beachtet. Hintergrund ist, dass die alten Slawen die Türschwelle als einen Ort betrachteten, wo böse Geister wohnen.
  • Man nimmt immer ein kleines Geschenk mit, kommt möglichst nie mit leeren Händen. Und da sollten die nachfolgenden Punkte besonders beachtet werden.
  • Blumen sind immer eine gute Idee. Dabei darauf achten, dass es eine ungerade Zahl an Blumen sind, eine gerade Zahl ist den Toten vorbehalten. Ab ca. 20 Stück ist es jedoch ziemlich egal.
  • Vorsicht auch bei der Farbe der Blumen. Mit Ausnahme von Mimosen und Narzissen sollte man auf gelbe Blumen verzichten. Diese bedeuten Unglück oder Trennung.
  • Schenke fremden Menschen niemals Hausschuhe. Das bringt Unglück, Krankheit oder gar einen Fluch. Hintergrund: Auch heutzutage gibt es noch Zauberinnen und Hexen der schwarzen Magie und der Glaube daran sitzt tief. Es ist allgemein bekannt, dass Schuhe an bestimmten Tagen „verhext“ werden können – diese sollen dann Menschen gegeben werden, denen man etwas Böses wünscht. Also, lieber etwas anderes suchen.
  • Will man Uhren, einen Schal, Taschentücher oder Messer schenken, so gibt es da eine Besonderheit. Eine Uhr bringt Trennung oder Tod, ein Schal oder Taschentücher bringen Tränen und Messer Feinde. Um das zu vermeiden, gibt der Beschenkte eine kleine Münze zurück, er kauft sozusagen das Geschenk ab und alles ist in Ordnung. Also die Annahme des Geldstückes tunlichst nicht ablehnen.
  • Wenn man jetzt unsicher ist und denkt sich „OK, ich schenke lieber Geld, sollen sie sich kaufen, was sie möchten und ich trete in kein Fettnäpfchen“ … ja, auch da gibt es eine Kleinigkeit zu beachten. Das Geld dann niemals direkt in die Hand geben, sondern auf den Tisch legen. Man glaubt, dass so die Energie – und eben auch böse Energie – des Gebenden übertragen wird. Es kann einem sogar im normalen Alltag beim Einkaufen oder im Taxi passieren, dass Geld nicht angenommen wird. Nutzt immer schön den Zahlteller, dann macht man nichts falsch.

So, hat man das geschafft und alle Klippen vermieden, sitzt man in der guten Stube oder am Esstisch der Gastgeber. Was gibt es da zu beachten? Das erzähle ich Euch im nächsten Teil. [zum 2. Teil]


 

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