Sitten, Bräuche und Aberglaube in der Ukraine (2)

Wie versprochen geht es weiter mit dem kleinen Knigge für Gäste in der Ukraine. In Teil 1 haben wir das Ankommen und Geschenke unter die Lupe genommen. Jetzt sind wir im Haus, sitzen in der guten Stube oder am Esstisch. Worauf sollte man da achten?

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas passiert, aber ich möchte es trotzdem als Erstes erwähnen. Total verpönt ist es, auf dem Tisch zu sitzen oder gar seine Füße auf den Tisch hoch zu legen.
  • Einer ledigen Frau niemals einen Eckplatz anbieten. Der Aberglaube sagt, dass eine Frau dann sieben Jahre lang nicht heiraten wird. Also, lieber enger zusammenrücken. Oder wie ich las, den Babuschkas oder armen Verwandten den Platz überlassen.
  • Ganz vorsichtig mit dem Salzstreuer umgehen. Verschüttetes Salz bringt Streit und Tränen. Zucker übrigens auch.
  • Es wird viel getrunken, jede Runde trinkt man auf etwas, ein Trinkspruch bzw. eine kurze Rede wird gehalten, denn ein altes Sprichwort sagt: „Trinken ohne Trinkspruch ist Trunksucht“. Für die Toasts gibt es sogar eine Art Reihenfolge. Bei einem normalen Treffen wäre das z.B.:

    • 1. Auf das Beisammensein. Häufig hört man dann „Sa nas!“ – „Auf uns!“
    • 2. Auf den Gastgeber
    • 3. Auf die Frauen
    • 4. Auf die Männer
    • der 7. und 21. Umtrunk geht auf die Liebe, alle anderen stehen frei zur Auswahl. Auf alle Fälle sollte beachtet werden, dass man nicht anstößt, sollte der Trinkspruch einem Verstorbenen gelten!
  • Und gleich noch ein weiterer Tipp, wenn man das Trinken von so viel Horilka (Wodka) oder Samogon (Selbstgebrannter) nicht gewohnt ist:
    Wenn man sich darauf einlässt und Horilka mittrinkt, dann trinkt nur dies und außer Wasser nichts anders, vor allem kein Bier, Wein oder Fruchtsaft. Nach jedem Umtrunk gut essen. Man mag es kaum glauben, wie viel man so trinken kann und trotzdem einen klaren Kopf behält. Und ist der Schnaps gut, hat man am nächsten Tag auch wenig Probleme. Merkt man hingegen, dass es reicht, dann dreht man sein Glas auf den Kopf. Das ist das Zeichen dafür, dass man genug hat. Oft wird dann noch einmal nachgefragt, aber mit einem Bedauern wird das auch akzeptiert.
  • Schnell ist eine Flasche leer. Diese niemals auf den Tisch stellen, das wäre ein schlechtes Vorzeichen für finanziellen Verlust oder Tränen drohen. Leere Flaschen gehören aus dem Blickfeld, ebenso wie Schlüssel oder Kleingeld, das hat auf dem Esstisch nichts verloren.
  • Wenn einem die Nase juckt, man niesen muss oder die Nase putzen, dann macht man das dezent, abseits und möglichst leise. Laut Niesen oder laut ins Taschentuch schnauben - das geht überhaupt nicht! Wenn man in der Runde sitzt, so steht man auf, geht hinaus und bringt seine Nase in Ordnung.

Zum Schluss des heutigen Teils noch 3 Tipps für Männer, die bei ihrer Zukünftigen zu Gast sind:

  • Hat Dir die zukünftige Schwiegermama einen Kürbis geschenkt? Oh, dann hast Du bei ihr echt keinen Eindruck hinterlassen und schlechte Karten. Überlege es Dir noch mal genau, ob die Holde Deine Traumfrau ist.
  • Sprichst Du gut und lobend über Deine Zukünftige oder über anwesende Kinder, dann nicht wundern, wenn die Eltern dreimal über ihre linke Schulter spucken (natürlich nur angedeutet). Das schützt vor dem bösen Blick, vor Missgunst, Unglück und einer Plage. Man weiß ja nie, ob es ehrlich gemeint war...
  • Solltet ihr den Hochzeitstermin vereinbaren, dann meidet den Mai. Diese Ehen sollen nicht lange Bestand haben.

Soviel für heute, das nächste Mal betrachten wir bösen und guten Aberglauben. Bis dann!


 

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